Wim Delvoye

Wim Delvoye

Der belgische Künstler Wim Delvoye verbindet in seinem Werk historische Formen und handwerkliche Traditionen mit zeitgenössischen Technologien und gesellschaftlichen Fragestellungen. Seine häufig provokanten Arbeiten bewegen sich zwischen Gegensätzen wie dem Sakralen und Profanen, Tradition und Innovation oder Kunst und Konsum. Durch unerwartete Verbindungen verwandelt er etwa Rorschach-Tintenkleckse in Bronzeskulpturen oder industrielle Betonmischer in filigrane neugotische Konstruktionen aus lasergeschnittenem Stahl. Seine Arbeiten befinden sich in bedeutenden internationalen Sammlungen, darunter das Solomon R. Guggenheim Museum, das Centre Pompidou, das Stedelijk Museum Amsterdam und die Uffizien.

Für die Porzellan Manufaktur Nymphenburg schuf Wim Delvoye 2010 Bustelli Twisted, seine erste Arbeit für die Manufaktur. Ausgangspunkt waren Isabella und Octavio aus Franz Anton Bustellis berühmtem Commedia dell’Arte-Zyklus des 18. Jahrhunderts. Delvoye ließ die historischen Figuren dreidimensional scannen und verformte sie mithilfe computergestützter Designsoftware zu gedrehten, dynamischen Körpern. Diese digitalen Entwürfe wurden anschließend in den Meisterwerkstätten in Porzellan übersetzt: Die Figuren bestehen aus zahlreichen einzeln gegossenen und teilweise frei von Hand geformten Elementen, die sorgfältig zusammengesetzt und retuschiert werden. Bustelli Twisted verbindet so eine der bedeutendsten historischen Figurengruppen Nymphenburgs mit Delvoyes charakteristischer Auseinandersetzung mit digitaler Technologie, Transformation und traditionellem Handwerk.